Mittwoch, 30. April 2014

Ready or not? I'm coming home...

Vor knapp 3 Wochen war alles noch anders. Vor allem war es heiß ;) Mit Svenja und Hanna bin ich einmal rund um Indien gereist. 9264 km mit dem Zug durch Indien. Na gut, nicht ganz – 2x sind wir geflogen. Fast 2 Tage Zugfahren war uns dann doch etwas zu lange. Von den uralten Tempelruinen Hampis, über den traumhaften Strand in Goa, in die Stadt Mumbai, in der so viele Menschen, wie in ganz Baden-Württemberg leben, weiter in die Hauptstadt Delhi, über Kamelsafari in der Wüste Thar, die heiligste Stadt für die Hindus – Varanasi, das in echt noch viel beeindruckendere Taj Mahal und und und… Es war einfach genial für den Abschluss. Zusammen mit den anderen beiden, die mir in meiner Zeit in Indien ziemlich ans Herz gewachsen sind. Sie sind für mich sehr gute Freundinnen geworden, oder nein, eigentlich sogar wie Schwestern. Meine kleine indische Familie und so hatten wir viel Spaß zusammen. Manch einer wird sich vielleicht wundern, wie geht das? 3 Mädels für 7 ½ Monate in einem Zimmer, auf engstem Raum ohne große Streitereien und Konflikte? Naja, wie genau das funktioniert kann ich euch nicht sagen, aber es hat funktioniert. Sogar so gut, dass doch nach fast 3 Wochen ohne Svenja und Hanna tatsächlich Entzugserscheinungen auftauchen und ich mich riesig freue die beiden am Wochenende auf dem Internationalen Forum vom CVJM wieder zu sehen. Nun aber wieder zurück zum Text. Die Reise gab mir einfach nochmal die Chance mehr von dem Land kennen zu lernen. Das Land, das wir knapp 7 ½ Monate unser zu Hause nennen durften. Das Land, das so bunt, laut, unterschiedlich, geruchsintensiv, dreckig und auf seine Art und Weise wunderschön ist. Eben anders als Deutschland und trotzdem ist es das Land, das ich in den letzten Monaten schätzen und lieben gelernt habe.

Maharaja City Palace in Mysore

Palolem Beach, Goa

Kamelsafari in der Wüste Thar // Camelsafari in the desert Thar in Rajasthan.

Hampi


Gateway of India in Mumbai (Bombay)


Es wird gesagt, es sei die romantischste Stadt Indiens// It's said, it is the most romatic city in India - Udaipur


Taj Mahal, Agra

Taj Mahal, Agra

Varanasi, dort haben wir eine Boottour auf dem Ganges gemacht // Varanasi, we did a boat tour on the river Ganga

Immer näher rückte der Abschied und natürlich freute ich mich auf meine Familie und Freunde in Deutschland, deutsches Essen, meine Kultur… Aber je näher der Abschied und die Heimreise kamen, desto mehr wurde mir bewusst, wie sehr ich auch alles hier vermissen werde. Die Unbeschwertheit, die Sonne, das Rikscha fahren, das Verkehrschaos auf der Straße, die Kleidung, das Essen

(z.B. Dosa! ), die freundlichen Menschen, meine kleinen fröhlichen Kinder, die Lehrerinnen, den YMCA (unser 2. zu Hause, wo sich alle herzlich und liebevoll um uns gekümmert haben), die Divine Patience Church und unseren witzigen Pfarrer, die Jugendgruppe Gnext und alle Menschen die mir dort so sehr ans Herz gewachsen sind.  Es war immer wieder eine Achterbahn der Gefühle. Auf und ab,  bis es einen Crash gab und mir bewusst geworden ist, dass ich nicht weiß, ob ich die Menschen hier je nochmal sehe und auch wie sehr ich die Zeit hier genossen habe. Müsste ich mich nicht eigentlich freuen, meine Familie und Freunde in Deutschland wieder zu sehen? Ich war im Zwiespalt, wusste nicht was ich tun und denken sollte. Ich entschied mich, einfach alles auf mich zu kommen zu lassen.

10. April  2014  Goodbye Madurai – Goodbye India
Richtig süß war unser Abschiedskomitee am Flughafen in Madurai. Die ganze Jugendgruppe kam, um sich von uns zu verabschieden. Was mir den sowieso schon schweren Abschied nicht gerade einfacher machte. Dennoch habe ich mich natürlich riesig gefreut alle nochmal zu sehen, das war wirklich goldig. And to all my Genxt friends who read or translate my blog ;), this goes out to you: Thank you for coming to the airport this day. We had such a good time together – sweet memories! Our Lord will be with you, always! Take care guys! Won't forget you :) 

11. April 2014 – Frankfurt: Wieder deutschen Boden unter den Füßen

 
Das alles ist nun schon fast 3 Wochen her. Kaum zu glauben. Ihr hier in Deutschland habt es hier schon kalt muss ich sagen. ;) Im Moment bin ich dabei mich wieder einzufinden und zu akklimatisieren. Das was für mich hier komisch ist, ist doch tatsächlich ziemlich banal – z.B. verstehe ich alle Menschen auf  der Straße, weil alle Deutsch reden. Das ist komisch, so ungewohnt. Etwas Gutes hat es auch, man wird nicht mehr so sehr angestarrt, da ich nicht mehr eine der wenigen oder einzigen Weißen bin. Ich kann nicht einfach so über die Straße laufen (da die Autofahrer hier viel schneller fahren und nicht darauf vorbereitet sind, dass Menschen einfach so über die Straße laufen) und alle fahren ordentlich, immer schön nach Verkehrsordnungen. Immer wenn ich ab und zu mal jemanden hupen höre, fühle ich mich gleich heimisch. :D Das Hupen fehlt hier in Deutschland ja komplett. Die Straßen sind ziemlich sauber und man muss sich erst einmal wieder an die Mülltrennung gewöhnen. Aber es wäre ja nur halb so witzig, wenn nur ich mich amüsieren könnte über Dinge, die ich hier einfach nicht mehr gewöhnt bin. Ich will ja nicht so sein und so haben meine Familie, Freunde und sogar die Verkäufer an den Kassen ihren Spaß, wenn ich Ja oder Okay antworte und dabei unbewusst den „Indian-Headshake“ mache. Oder mein Reden ab und zu mit Zeichensprache untermale und in der Fleecejacke rumlaufe, wenn alle anderen ein T-Shirt tragen.

Ich bin sehr dankbar für das halbe Jahr in Indien. Dankbar für meine Arbeit mit den Kinder, die einfach sich schon riesig gefreut haben, wenn man ihnen nur Aufmerksamkeit schenkt, sie in den Arm nimmt, ihnen zuhört (obwohl man nicht viel versteht) und Späße mit ihnen macht. Oftmals haben sie mir richtige Freude ins Herz und ein Lächeln auf die Lippen gezaubert – mit unseren Kindern wurde es wirklich nie langweilig. Dankbar für die Lehrerinnen, alle vom YMCA und unsere Chefs, die uns ihr Land gezeigt haben. Wir einen Einblick in ihr Leben haben konnten und sie uns wie ihre eigenen Töchter behandelt haben. So haben wir Indien nochmal ganz anders kennengelernt, viel intensiver und gerade das macht das alles noch viel abenteuerlicher und einfach wertvoll – im Gegensatz zu den Touristen, die von einem Strandurlaub in Goa und zurückkommen und sagen „Ich hab das wahre Indien gesehen.“

Ich habe wunderbare neue Freunde gefunden. Diese Freundschaften sind ziemlich wertvoll für mich und ich hoffe, dass die Freundschaften auch über die Distanz halten werden. Ich konnte für sie eine Stütze und Ermutigung sein, umgekehrt ebenso. Es ist für mich ziemlich beeindruckend, wie ich solche enge Freundschaften mit Menschen aufgebaut habe, die aus einer total anderen Kultur kommen und wir uns doch so ähnlich sind und uns so gut verstehen.

Ich durfte so viel von den Menschen dort lernen und hatte mir während der Zeit dort ein  Leben aufgebaut. Hört sich das jetzt vielleicht so an, als ob ich wieder zurück wollte?! Hmm… irgendwie ja. Ich vermiss Indien, es war ja auch mein Zuhause für knapp 8 Monate. ;) Aber ich glaube es ist auch richtig, erstmal wieder hier zu sein. Zurück in Deutschland. Bei meiner Familie. Meinen Freunden. Denn hier gefällt es mir doch auch sehr gut. J

Es war auf jeden Fall eine sehr bereichernde, erfahrungsreiche und lohnenswerte Zeit, die ich in Indien verbringen durfte, mit allen Höhen und Tiefen. Eine Zeit die ich niemals vergessen werde und immer in meinem Herzen tragen werde!


Last but not least, danke an Hanna und Svenja, dass ich diese wunderbare Zeit mit euch verbringen durfte. Das war das i-Tüpfelchen überhaupt! ♥
 
I'm coming home - P. Diddy
Ready or Not - Bridigit Mendler