Donnerstag, 31. Oktober 2013

Baby you’re a firework


Wenn man diese Tage durch Madurai fährt könnte man denken es ist Weihnachten. Viele Geschäfte sind mit Lichterketten beleuchtet und alle Leute drehen völlig durch, die Straßen in der Stadt sind überfüllt und alle wollen Geschenke kaufen. Aber richtig, es ist erst Anfang November. Also kein Weihnachten, dieses Wochenende ist eines der wichtigsten Feste der Hindus. Diwali, Dipavali Devali, tausend verschiedene Arten und jeder nennt es anders. Naja, es ist auf jeden Fall auf das Fest der Lichter. Die Hindus feiern, dass der Gott Krishna das Böse besiegt hat und nun wieder das Gute herrscht – Licht in die Dunkelheit kommt. Das ganze Fest kann man ein bisschen wie unser Weihnachten vergleichen, man trifft alle Verwandten, beschenkt sich, trägt neue Kleider und isst den lieben langen Tag! Zusätzlich gibt es am Abend ein Feuerwerk oder eigentlich das ganze Wochenende, selbst gerade vor der Tür explodiert ab und zu etwas.

Da an Diwali die ganze Familie zusammen feiert haben wir in der Schule schon am Dienstag eine große Diwali-Celebration gefeiert, von den Eltern organisiert. Denn die Kinder, auch die Hostel Kinder gehen nach Haus und das noch vor dem Wochenende, da ziemlich viel Verkehr ist. Wir haben heute mindestens 15 Minuten gebraucht für eine Strecke, die sonst nicht mal 5 Minuten dauert. Die Lehrer bekamen Geschenke, die Care-taker neue Sarees, die Kinder bekamen Süßigkeiten und auch wir bekamen eine Kleinigkeit geschenkt. So wollen die Eltern ihre Dankbarkeit ausdrücken, sozusagen für all das, was die Lehrer und Care-Taker in ihre Kinder investieren. Es wurde getanzt und das Highlight war das kleine „Feuerwerk“ am Ende.

 
Ich war doch etwas überrascht, dass die kleinen Kinder einfach so Wunderkerzen in die Hand gedrückt bekommen haben und mehr oder weniger von Erwachsenen im Auge behalten worden sind. Ich bin echt ziemlich froh, dass nichts Schlimmes passiert ist oder ein Kind in Flammen aufgegangen ist. Trotzdem war es natürlich ziemlich aufregend für die Kids und vor allem die Jungs hatten natürlich ihren Spaß bei dem ganzen Geböller. Hier ein Vulkan angezündet und da ein Feuerkreisel. Am Ende dachte der Lehrer, Ganesh er muss noch eine Bombe zünden. Das Teil heißt doch tatsächlich „atom bomb“ und ist richtig laut, vor allem wenn es 2 m von dir entfernt hochgeht. Du die Druckwelle spürst, wegrennen willst, deine Ohren zuhalten willst und merkst, dass es viel zu spät ist. Da das Ding schon explodiert ist. Die Lehrer meinten, dass dies für die Kinder eine Art Vorbereitung für ist, denn am Wochenende wird es die ganze Zeit nur Feuerwerke geben und ich glaube die Inder haben hier in ihren Raketen Sachen drin, die in Deutschland bestimmt schon lang verboten sind. Damit es noch lauter ist ;)






Am Samstag sind wir bei verschiedenen Familien eingeladen und bekommen ein bisschen Diwali mit. Ich bin schon gespannt wie das wird, es geht schon um 6 Uhr morgens los. Wir spielen also kleine Raupe Nimmersatt und essen uns durch den Tag. J
 
 
Katy Perry - Firework

Montag, 21. Oktober 2013

Du bist schön


Das hörten wir heute von ungefähr jedem Inder der uns im Saree gesehen hat. „Nice“ , „You look beautiful“. Heute bekamen wir unseren aller ersten Saree und unsere Bluse vom Schneider zurück. Wir wollten ihn natürlich gleich tragen und zwei Lehrerinnen haben uns geholfen die 6,5 Meter Stoff kunstvoll um uns zu wickeln und zu drapieren. Sareewickeln ist ja schon eine Kunst für sich. Die Inderinnen behaupten ja, dass sie das in 5 Minuten schaffen, was für mich allerdings ein Wunder ist. Wir standen gefühlt eine halbe Stunde oder länger im Office und die Lehrerinnen haben an uns rumgezupft, gewickelt, gesteckt und und und. Mit einem Saree fühlt man sich gleich nochmal viel indischer, damit in Autos einzusteigen oder Treppen zu steigen stellte für uns anfangs aber doch eine Herausforderung dar. Haben wir aber alles ganz gut gemeistert bekommen J
Fotoshooting auf unserer Dachterasse.


 
 

 Luxuslärm - Du bist schön

Freitag, 18. Oktober 2013

On top of the world


Letzten Montag hatten die Inder wieder was zu feiern. Deswegen nutzen wir das lange Wochenende um in die Berge zu fahren. Ja, es gibt tatsächlich auch Berge in Indien und dort war es auch ziemlich frisch. Wieder ein ganz anderes Indien. Grün. Berge. Frische Luft. Gewürzpflanzen am Straßenrand. Teeplantagen. Gewürzladen neben dem anderen, Wildlife Reservat. Das alles ist Kumily – Periyar, dort haben wir unser letztes Wochenende verbracht.
 Auf der Busfahrt. Die wunderschöne Berglandschaft die wir durchquert haben.





In Indien tragen die Bauarbeiter den Schutt sogar auf dem Kopf. Als wir durch Kumily schlenderten hatten wir den Eindruck, dass sie alles renovieren. Denn an jeder Ecke wurde gebaut. 

Die wunderschöne grüne Landschaft im Tiger Reservat in Kumily.

 

Die Stadt ist nicht sehr groß, aber hat eines der schönsten Reservate in Südindien - das Periyar Tiger Reservat. Eine Art riesen Nationalpark wo man Elefantenreiten kann, Trekking Touren, indische Kochkurse, Safari und und und. Wir entschieden uns für Bamboo Rafting auf einem Bambusfloß in Verbindung mit Wandern. Auch wenn mir das Bambusfloß anfangs nicht geheuer war und ich auch öfters mal nasse Füße bekommen habe war es ziemlich cool. Es war echt beeindruckend durch dieses riesen Reservat zu wandern. Alles so grün, Affen schauen von den Bäumen auf einen herunter und wenn man sich vorstellt, dass abends dort Tiger herumstreifen dann fühlt man sich richtig im Dschungel. Vier Ranger führten uns durch das Reservat in der Hoffnung und ganz viel Tiere zu zeigen. Obwohl wir nicht sehr viele Tiere gesehen haben war es auch einfach ein schöner Ausflug und wir waren schon etwas traurig, dass wir keinen Elefanten gesehen haben. Aber wie sagt man so schön, das Beste kommt zum Schluss. 1 Mamaelfefant, 1 Papaelefant und 3 Babyelefanten. 30 oder 40 Metern von uns entfernt. Wild. Diese Tiere sind einfach beeindruckend. Immer wieder aufs Neue. J

 
Am Anfang haben wir auf einem Floß aus Bambusstängelchen einen Fluss überqueren müssen.



Unser Bambusfloß. Zum Glück hatten wir Sitze :)

Manchmal schwappte das Wasser in unser Floß und wir bekamen nasse Füße.
Wir drei nach unserer Tagestour in unseren "dunklen Tarnklamotten". Leider hatte ich nicht wirklich etwas dabei, woher sollte ich auch wissen, dass ich in Indien Tarnklamotten brauche. Naja, da musste eben meine grüne Chudithar herhalten ;)


Auf dem Heimweg hat der netteste Rikschafahrer überhaupt extra für uns angehalten, als er am Rand ein paar Wildschweine mit Babys gesehen hat.
Außerdem liegt Kumily zum größten Teil in Kerala und Kerala ist besonders bekannt für die besten Gewürze in Indien. Deshalb ließen wir es uns nicht nehmen eine Spicetour durch Gewürzgärten zu unternehmen. Außerdem besuchten wir Teeplantagen und eine Teefabrik, die die Engländer aufgebaut haben. Eine Schwarzteefabrik, genau danach roch es auch in der ganzen Fabrik. Als hätte man in Schwarztee gebadet. Überall Schwarzteegeruch. Die Teeplantagen ziehen sich durch die ganze Region. Die Hügel und Berge sind alle mit Teepflanzen bepflanzt, es sieht einfach gigantisch aus. Ein tolles Panorama und man kann sich gar nicht vorstellen, dass auch das Indien ist.


Ja, das alles sind Teepflanzen. Wunderschön grün. :)

Die Frauen pflücken die Teeblätter per Hand!




Zur Mittagspause bringen die Frauen, natürlich auf dem Kopf die bisher gesammelten Teeblätter zu einem Treffpunkt und von dort aus werden diese direkt zur Connemara Teefactory transportiert und direkt verarbeitet.

Zimtbaum.

Eine Ananas beim Wachsen.

Pfefferpflanze.

saftig grüne Reispflanzen.


Kaffeebohnen, sogar an dem Straßenrand wachsen Kaffeepflanzen.

An der Staatsgrenze von Kerala zu Tamil Nadu.
Das war unser letztes Wochenende in Kurzfassung, ihr müsst euch einfach die Bilder anschauen J In der Schule haben wir nun auch praktisch mit dem Projekt „Klassenzimmer verschönern“ angefangen. Heute haben wir angefangen zu streichen und Fußspuren auf den Boden zu drucken, gemeinsam mit Yogi, einem Hostelkind. Sie hatten total viel Spaß und wir auch. J Nächste Woche geht’s weiter mit streichen und dem Endspurt.
Yogi hatte ziemlich viel Spaß und war total aufgedreht, weil sie uns helfen durfte.

Und dann waren Yogis Füße dran. Überall auf dem Fußboden zieren nun kleine Fußspuren den Boden.


Wir und Yogi hatten unseren Spaß. :) Danach hatte aber nicht nur der Boden und die Wand Farbe abbekommen, auch wir waren voller Farbe, von Yogi ganz zu schweigen ;)


 
On Top of the world - Imagine Dragons

Mittwoch, 16. Oktober 2013

Schland o Schland

EINIGKEIT UND RECHT UND FREIHEIT.

Am letzten Freitag stand ein Schulbesuch an. In der Dolphin School in Madurai sollten wir mit den Freiwilligen aus Dänemark etwas über unsere Länder erzählen. Kein Problem, dachten wir. Einfach durch ein paar Klassen gehen und Deutschland vorstellen. Aber nein, so einfach geht das in Indien nicht. Wir standen auf einem Balkon, wie die Queen und unter ihr das Volk, die Schüler – 2000 an der Zahl. Schön in Reihen aufgestellt, nach Klasse sortiert, 1 – 12 Standard (Klassenstufen).  Irgendwie ein bisschen wie beim Militär. Gemeinsam wurde die allmorgendliche Meditation vollzogen und es wurde ein hinduistisches Loblied gesungen. Auf dem Balkon standen wir und konnten es irgendwie gar nicht fassen. Wir waren völlig fasziniert und geflasht von der Gesamtsituation. Kaum zu glauben, die tausenden Schülern unter uns, es war so komisch. Nacheinander kamen dann aus jeder Klassenstufe ein bis zwei Schüler hoch die uns mit Fragen über die schönsten Städte, die Berliner Mauer, was unsere Kultur ausmacht und wie wir beispielsweise Geburtstag feiern in unserem Land. Wir sollten mehr oder weniger freiwillig auch ein deutsches Geburtstagslied singen, jaja die indische Spontanität. Also standen wir da oben und haben durchs Mikrofon ein Geburtstagslied geträllert und brav alle Fragen beantwortet.
 
 
Jeden morgen wird noch ein Lied über Indien gesungen, der Sinn des Liedes ist: Ich liebe mein Land.
 

Nach einer „Tea Break“ gingen wir mit der Rektorin noch durch ein paar Klassen  und stellten uns den Fragen. Ich war wirklich überrascht was für präzise Fragen manche Schüler gestellt haben, wo selbst wir ab und zu nachdenken mussten. „Erklärt mal, welche Energieressourcen in Deutschland genutzt werden.“  Hmm ja gut, jetzt erklärt das mal auf Englisch. „Wie lange geht eure Nationalhymne, singt mal!“ Letztendlich haben wir uns breitschlagen lassen und unsere Nationalhymne gesungen.  J „Habt ihr einen speziellen Tanz in eurem Land, tanzt mal!“ Aber tanzen wollten wir dann nun wirklich nicht.
 
 
Ein Schüler hat mich echt beeindruckt, dieser war vielleicht so alt wie meine Schwester. Mit ca. 14 Jahren hat er so gutes Englisch gesprochen, hat höflich nach unseren Namen gefragt und sich total goldig vor uns verbeugt als wir uns vorgestellt haben. Aber er hat richtig interessante und überlegte Fragen  gestellt. „Einstein, Hitler und Jesus. Drei berühmte Personen und zwei kommen aus Deutschland. Was denkt ihr darüber?“ Wir wurden viel über irgendwelche Erfinder oder berühmte Personen, wie auf Sebastian Vettel gefragt, aber die Hitlerfrage blieb für uns Deutsche auch nicht aus.
 
In Indien ist die Schule beziehungsweise die Bildung ziemlich wichtig. Die meisten Schüler haben bis um 17 Uhr Schule und kommen heim, müssen lernen oder gehen noch zur Hausaufgabenbetreuung. Für die Inder ist die Bildung der einzige und wichtigste Weg, um an seinem Lebensstandard etwas zu ändern. Natürlich ist das bei uns in Deutschland auch so, nur ist es hier viel extremer. Wenn man Geld hat, kann man sich und seinen Kindern ein besseres Leben bieten und die Familie steht in Indien ganz oben.  

Der Besuch an der Dolphin School war eine tolle Erfahrung und irgendwie macht man sich über sein eigenes Land nochmal anders Gedanken. Man lernt sein eigenes Land nochmal auf eine andere Art kennen und setzt sich mit der eigenen Kultur intensiver auseinander. In Deutschland ist es einfach so, dass man pünktlich ist, Frauen Jeans und T-Shirts tragen, die Frau bei der Hochzeit ein weißes Hochzeitskleid trägt oder vor allem Fußball geschaut wird. In anderen Ländern sind genau diese „Gewohnheiten“ etwas Besonderes. Hier in Indien ist es normal, dass man mal etwas bzw. viel später kommt, Frauen tragen Sarees und Chuditars und die Inder lieben Cricket. Andere Länder, andere Sitten. Manchmal muss man vielleicht erst in ein total anderes Land reisen, um das Besondere an dem eigenen Land und der Kultur zu  entdecken.
 
Schland O Schland - Uwu Lena