Hochzeit ist in Indien ziemlich wichtig und eines DER
Gesprächsthemen überhaupt. Die meisten Inder fiebern richtig ihr ganzes Leben
auf die Hochzeit hin. Aber alles ist hier ein bisschen anders. Es fängt schon
an, dass es von Religion zu Religion unterschiedlich ist. Am Sonntag
beziehungsweise am Montag waren wir auf einer christlichen Hochzeit eingeladen.
Nithya, die Leiterin der Jugendgruppe hat geheiratet und sie sah wirklich aus
wie eine Prinzessin aus 1000 und einer Nacht, zumindest ein bisschen J Aber von vorne.
In Indien sind die meisten
Ehen arrangiert d.h. die Eltern suchen den Partner für ihr Kind aus. Je nach
Gesellschaftsschicht haben die Kinder mehr oder weniger mitzureden. Mit der
Zeit gibt es aber auch „andersdenkende“ Inder und es gibt anscheinend auch
öfter „Love-Marriages“, wobei aber trotzdem die Eltern das letzte Wort haben. Für
uns ist das ziemlich ungewöhnlich und komisch, wenn man sich vorstellt, dass man
jemanden heiratet, den man gar nicht wirklich kennt. In Nithyas Fall wurden sie
sich vor 3 Monaten vorgestellt und sich sozusagen versprochen und die Hochzeit
geplant. Vor allem in den ärmeren Schichten kommt es aber auch vor, dass
„innerhalb“ der Familie geheiratet wird, weil Heiraten, vor allem wenn man eine
Tochter hat ziemlich teuer ist.
Aber jetzt zu Nithyas
Hochzeit. Am Sonntagabend fand die Engagement Party statt, im kleinen Kreis
hieß es. Naja es waren trotzdem mindestens 300 Leute oder mehr. Hier wurden die
Verlobungsringe ausgetauscht, es gab Gebete, Lieder und Reden. Für diesen Abend
waren ca. 8 Pfarrer da, das war schon etwas komisch. Die Jugendgruppe hatte ein
Video für sie gemacht und sie hat für ihren Mann ein Lied geschrieben und für
ihn gesungen. Was für indische Hochzeiten wahrscheinlich eher unnormal ist,
aber es hat dem ganzen nochmal einen persönlichen Touch verliehen. Als der offizielle Teil fertig war ging es
ans Gratulieren auf die Bühne, zum frisch verlobten Paar. Gratulieren, Geschenk
abgeben und ein Bild. Die Armen mussten den ganzen Abend auf der Bühne stehen,
lächeln und mit allen Gästen ein Bild machen. Die Gäste gehen nach dem Gratulieren
zum Essen. Es ging ein Stockwerk höher und dort fühlte man sich etwas wie im
Fast Food Restaurant. Nichts mit schöner Deko oder Gemeinschaft beim Essen.
Fehlanzeige, es fühlte sich eher so an – so schnell wie mögliche so viele
Menschen wie möglich zu sättigen. Wir saßen in langen Tischreihen, aßen auf
Bananenblätter und die „Kellner“ huschten durch die Reihen und klatschen einem
die indischen Gerichte auf das Bananenblatt.
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| Hier zu beginn trägt Nithya noch ihren eigenen Saree und bekommt Geschenke. Kokusnüsse, Früchte,... . Von ihrem Verlobten bekam sie traditionell einen Saree geschenkt und musste sich dann umziehen. Auf dem nächsten Bild trägt sie dann auch schon einen anderen Saree. |
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| Austauschen der Ringe im neuen Saree. Doch vor lauter Fotografen und Kameramenschen hat man gar nichts gesehen. |
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| Das Bild zeigt Nithya als sie das Lied für ihren Verlobten gesungen hat. Richtig süß! :) Sie hat gesungen, dass sie ihn für immer lieben wird und dass sie weiß, dass Gott für sie den Richtigen ausgewählt hat. Diese Überzeugung hat mich ziemlich beeindruckt, denn auch wenn sie von ihm geredet hat, war sie sich obwohl sie ihn nicht kannte sicher, dass es der Mann ist, den Gott für sie "geplant" hat. |
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| So sah es beim Essen aus. In Reihen, sodass Kommunikation relativ schwierig war ;) |

Am nächsten Tag fand morgens
die Hochzeit statt. Genau wie bei uns in der Kirche und die Zeremonie war relativ
ähnlich wie in Deutschland nur, dass hier normalerweise keine Ringe
ausgetauscht werden, sondern der Mann seiner Frau die Hochzeitskette „Wedlock“
umhängt. Das ist eine Kette mit Herzanhänger, diese tragen alle verheirateten
Frauen. So wie bei uns die Hochzeitsringe ein Zeichen dafür sind, dass man
verheiratet ist, ist es in Indien die „Wedlock“. Je nachdem ob die Familie
reich oder arm ist, ist es eine Goldkette oder eine gelbe Kordel. Nach der
Hochzeitszeremonie geht es zur „Reception“. Die besteht eigentlich nur aus
gratulieren und Essen. Genauso wie bei der Engagement Party, das
frischvermählte Paar steht mindestens 3 Stunden
oder länger auf der Bühne und lächelt und nimmt Glückwünsche von über 1500
Gästen entgegen. (was für indische
Verhältnisse eine eher kleine Hochzeit ist) Man merkt auch, dass es mit der
Zeit ziemlich anstrengend wird die ganze Zeit zu lächeln. Entweder man geht vor
dem Gratulieren oder nach dem Gratulieren zum Essen und danach geht jeder
wieder nach Hause. Nicht wirklich
spannend und in dem Punkt sind die indischen Hochzeiten im Vergleich zu deutschen
Hochzeiten sogar ziemlich langweilig. Es war ziemlich schon, aber eben anders. J
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| Obwohl ich nur als Gast dort war und nicht als Fotograf konnte ich einfach nicht widersetehen und musste Bilder machen. In der ganzen Kirche hingen Teilverse von 1. Korinther 13, dem Hohenlied der Liebe. Love is Patient, Love is Kind, Love never Ends. Und so weiter :) |
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| Sie sah in ihrem weißen Saree und dem Diadem aus wie eine indische Prinzessin. |
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| Die Eheringe. Nithya und Vinoj hatten zusätzlich zur Wedlock Eheringe. |
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| Beim Einlaufen in die Kirche. |
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| "Nithya, will you have Vinoj to be your husband (...)?" |
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| Hier bekommt Nithya die Wedlock umgehängt. |
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| Das Ehegelöbnis: I take you to be my husband, to have and to hold from this day forward (...) I give you my pledge. |
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Ihr "Hochzeitsstrauß", schon fast eine ganze Pflanze. :)
weiter ging es im Master Mahal, einer riesigen Halle mit der Reception.
Hier seht ihr wie das Brautpaar für Glückwünsche und Fotos bereitsteht, wie viele Menschen warten, bis sie dran sind ...
...und die Schlange einfach nicht aufhörte...
Wir warteten gemeinsam mit der Jugendgruppe bis der erste Ansturm vorbei war. Irgendwann gaben wir es allerdings auf und los gings, anstehen zum Gratulieren.
Trotz arrangierter Ehe haben sie gelacht und auf eine bestimme Art und Weise wirkten sie irgendwie glücklich. :)
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Bruno Mars - Marry you
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