Jetzt
habt ihr eine ganze Weile nichts mehr von mir gehört, aber keine Sorge, mir
geht es gut. Allerdings heißt es für mich schon Halbzeit. Wahnsinn oder? Jetzt
versteh ich alle die mir gesagt haben, das wird schneller rum gehen als du
denkst. Leider. Ich genieße die Zeit hier im Moment total und fühle mich hier
richtig wohl.
Letzte
Woche stand unser Zwischenseminar an, welches wir mit einer kleinen Reise nach
Pondicherry verbunden haben. Aber von vorne. Könnte ein bisschen länger werden, auch wenn ich versuche mich kurz zu halten. ;)
Pondicherry - Fouette, cocher !
Gemeinsam
mit den beiden anderen CVJM Freiwilligen Alisa und Sabrina aus Salem, mit denen
wir uns in Pondicherry getroffen haben erkundeten wir die Stadt. Was uns das Wetter am ersten Tag allerdings nicht gerade einfach machte. Orkanartige Winde
an der Strandpromenade, schiefstehende Palmen und strömender Regen, so begrüßte
uns Pondicherry am ersten Tag.
Pondicherry
ist eine ehemalige französische Kolonie und am zweiten Tag, als die
Sonne geschienen hat, fühlte man sich tatsächlich ab und zu ein bisschen in
Südfrankreich. Zumindest erinnerten mich die kleinen Gassen mit goldigen
kleinen Häusern und Blumen vor den Fenstern ziemlich an Europa. Auch große
weiße, teilweise verfallene Kolonialbauten und französische Straßen- und
Cafénamen trugen zum „Frankreichfeeling“ bei.
Je weiter man sich aber von der
Strandpromenade entfernt, desto indischer wird die Stadt aber wieder. Sie kann
eben doch nicht verstecken, dass sie eigentlich indisch ist. ;) Spätestens, wenn
Autorikschas an einem vorbei düsen, vermehrt wieder Müll am Straßenrand liegt
und einfach das indische Chaos hervor kommt, erinnert man sich wieder, ach ja
ich bin ja in Indien. Aber ein bisschen Europa zwischendurch schadet auch
nicht.
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| Aber auch Kühe dürfen auf den Straßen Pondicherrys nicht fehlen. Spätestens jetzt merkt man, ja ich bin doch in Indien. |
Wir haben am Strand gesessen und aufs Meer geschaut. Waren in vielen
kleinen süßen Cafés und haben Kaffee getrunken und Croissants genossen. Viel
westliches Essen gegessen. Sind durch einen typisch indischen Markt gelaufen. Ihr
glaubt es nicht, ich hab ne richtige Apfeltasche und eine Käselaugenstange in
Indien gegessen. Wir haben nämlich eine französische Bäckerei gefunden, die
Baguettes verkauft haben, aber auch richtiges Brot und Brezel. Alles was
unser Herz an Gebäck begehrt. J Außerdem besuchten
wir noch an einem Nachmittag Auroville. Eine Art Planstadt, wo Menschen aus der
ganzen Welt wohnen und nach Gleichheit streben. Sie wollen die Brücke zwischen
Zukunft und Vergangenheit bilden und, was auch wichtig ist, dass das Land niemand
gehört, sondern der ganzen Menschheit. Es gibt sogar ein extra Visum für
Aurovillaner und Auroville ist in der UNO vertreten, soweit ich mich richtig
erinnern kann. Die Menschen dort leben nach der Aussage, „Alle Menschen sind
gleich“, daher bekommen sie auch alle gleich viel Gehalt. Im Moment leben dort
ca. 2000 Menschen und 11 % Deutsche. Den Kern der Stadt bildet eine goldene
Kugel, die mich an eine Achterbahn, die Euro Sat im Europa Park erinnert. Sie
wird auch die Seele von Auroville genannt. Sie soll dafür sorgen, dass sich
Friede ausbreitet und durch eine besondere Kristallkugel im Inneren gib sie
angeblich auch Energie und Kraft für die Bewohner. Ihr merkt schon. Irgendwie
ziemlich abgedreht. :D
Tranquebar - velkommen til Danmark
Hier fand unser Zwischenseminar statt und wieder wurden
wir etwas stürmisch und nass begrüßt. Tranquebar heute Tharangambadi liegt direkt an der Küste und war eine dänische Kolonie. Durch den dänischen König wurde der
erste deutsche Missionar dort hin gesendet. Er gründete dort die erste Evangelisch-Lutherische
Tamilkirche (TELC) und weitere soziale Projekte, wie ein Kinderheim, eine
Schule und ein Mission– Center, dort haben wir gewohnt. Begonnen hat alles ganz
indisch - Tea Time J Insgesamt waren wir 22 Freiwillige aus Deutschland von ganz
vielen verschiedenen Organisationen und zwei Leiterinnen aus Deutschland
eingeflogen. Das heißt nur Deutsch reden, ganz ehrlich fand ich das anfangs
ziemlich komisch. Und als uns dann noch der indische Direktor des Mission-
Center auf Deutsch begrüßt und die Geschichte erzählt hat waren wir doch etwas
geflasht. Ein Inder, der Deutsch spricht J Unsere Woche war
voll von verschiedenen Einheiten über unsere Zeit hier, was uns gelungen ist,
welche Pläne wir für die Zukunft haben und noch ganz viel mehr. Aber nach 3
Monaten indischem Chaos waren es einfach zu viel pädagogisch wertvolle Methoden
auf einmal. :D Und ich muss sagen, dank meinen letzten 3 Jahren SG bin ich
einiges gewöhnt. Plakate gestalten, Gruppenarbeiten wohin das Auge reicht und
immer schön Protokoll schreiben oder seine Situation kreativ gestalten. Aber es
war auch ziemlich cool sich mit all den anderen Freiwilligen auszutauschen. Wir
haben also viel geredet und Lieder gesungen. In der Mittagspause machten wir
Ausflüge ans Meer, das nur zwei Minuten entfernt war. Dort konnte man einfach
nur den Moment genießen, schöne Muscheln finden oder die Füße ins Wasser
strecken. Schwimmen durften wir leider nicht, zu gefährlich. 2004 wütete hier
nämlich der Tsunami und zerstörte die Stadt. Heute sieht man davon allerdings
nicht mehr wirklich viel, alles ist wieder weitgehend restauriert worden, doch
das Meer ist gefährlicher geworden. Unterströmungen die einen ganz schnell in
die Tiefe ziehen. Deswegen blieben wir dann doch lieber bei Eis am Strand oder
Muscheln sammeln.
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| Wenn man vergessen hat, dass der Strand in Indien ist merkt man es spätestens, wenn eine Kuh am Wasser entlang spaziert. |
Indisch
duschen ist schon eine Kunst, vor allem mit langen Haaren irgendwie. Denn auf
dem Seminar haben wir nur indisch geduscht, d.h. mit zwei Eimer und Wasserhahn.
(komischerweise haben die meisten Inderinnen lange Haare) Geschlafen haben wir
in einem Gruppenschlafsaal, wie bei Hanni und Nanni - Metallbetten in zwei
Reihen. Essen gab es natürlich indisch, aber richtig gut und natürlich viel –
wir sind ja in Indien! J
Trichy - மீண்டும் இந்தியா!
Zurück in Indien,
denn nach 5 Tagen intensivem Austausch über unsere Projekte und
Herausforderungen, Personen, die uns wichtig geworden sind, und Probleme, die Lösungen erfordern, ging es mit der ganzen Truppe ab nach Trichy. Eigentlich um
dem Kirchenrat der TELC einen Besuch abzustatten, aber wenn wir schon mal dort
sind haben wir auch das ganze Touri-Programm
mitgemacht. Das hieß zwei Tempel anschauen, die kleine Tempelstadt um den Sri
Rangam Tempel und den Rockfort Tempel zu Ehren Ganeshas, der auf einem Berg thront
und einem eine gigantische Sicht über Trichy bietet.
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| Der Rockfort Tempel auf der Spitze des Bergs, nachdem wir schon mehrere hundert Treppen zurückgelegt hatten. |
Sonntags
besuchten wir dann gemeinsam den Gottesdienst in der Holy Trinity Cathedral von der TELC in Trichy und sangen ein
deutsches Lied. Der Gottesdienst ging geschlagene 3 Stunden, ohne Abendmahl und
auf Tamil. Da könnt ihr euch vorstellen, wie viel ich verstanden habe.
Eigentlich nichts. Aber es war interessant. J Nach einem
gemeinsamen abschließenden Mittagessen trennten sich wieder unsere Wege. Zurück
nach Deutschland. Zurück in unsere Projekte in Indien. Zwar mit zwei Paar Schuhen weniger, da ein Paar den Hunden oder Vögeln zum Opfer gefallen ist (man munkelt nur), und das andere die langen Strecken, die wir zurück gelegt haben, nicht mehr verkraftet und wortwörtlich am seidenen Faden hängt, aber glücklich wieder zurück, zu Hause in Madurai sein. In meinem eignen großen Bett zu schlafen,
ohne Angst zu haben raus zu fallen ;) Und wieder alle Leute um mich zu haben. In der Schule haben sie sich riesig gefreut, uns wieder zu haben, und auch wir freuten uns, wieder hier zu sein.
Wie
geht es euch? Hat Weihnachtsstimmung schon Einzug erhalten? Auch unsere
nächsten Wochen werden von Vorbereitungen für Weihnachtsfeiern in der Schule
oder vom YMCA geprägt sein. Irgendwie komisch, es ist doch viel zu warm für
Ende November. Aber ich hab mich schon damit abgefunden, dass es dieses Jahr
wohl keinen Schnee gibt. Umso mehr bin ich auch die Adventszeit in Indien
gespannt. J
Halfway Gone - Lifehouse






















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