Samstag, 5. Oktober 2013

It will rain


Oder eben auch nicht. Obwohl wir uns in der Regenzeit befinden hat es in den letzten Wochen kaum, genau genommen nur einmal geregnet. Und diesen Regen würde ich eher als lauen Sommerregen bezeichnen, der nach kurzem auch wieder aufhörte und verdunstet. Allgemein ist es hier in den letzten Tagen ziemlich heiß, sogar die Inder finden es heiß. Jeden Tag hat es hier so zwischen 30 – 40 Grad. Gefühlt noch viel heißer. Ihr denkt wahrscheinlich, oh hat sie’s gut. Aber glaubt mir, so eine Hitze ist irgendwann nicht mehr schön. Gegen ein bisschen kühler, oder etwas Herbstfeeling wie in Deutschland hätte ich im Moment nichts einzuwenden. ;) Doch mit der Zeit haben wir uns schon an das Klima hier gewöhnt. Eine Inderin meinte, das mit der Hitze hier hängt sicher mit der Klimaerwärmung zusammen – so heiß ist es um die Jahreszeit nämlich normal nicht.

Nach den Ferien hat hier in Madurai mehr oder weniger auch der Alltag wieder überhandgenommen.  Letzten Donnerstag nahmen wir an einem Workshop für angehende Lehrer teil, zum Thema Sonderpädagogik. In Indien steht dies in keinem Lehrplan, nicht in der Schule und nicht im Studium. Selbst wenn man Soziale Arbeit in Indien studiert, wird es wirklich nur kurz angerissen. So hat der YMCA sich dazu entschieden, solche Workshops für Studenten anzubieten. Einerseits als Aufklärungsarbeit über Behinderungen, andererseits, dass die Lehrer erkennen und Wissen ansammeln, wie sie mit solchen speziellen Kindern (liebevolle Umschreibung für Kinder mit Behinderung) umgehen müssen, wie sie diese spezielle fördern und unterstützen können.  Denn oft sind Lehrer an normalen Schulen im Umgang mit speziellen Kindern überfordert. Wenn die Lehrer aber darüber aufgeklärt werden und wissen, wie man beispielsweise eine mentale Zurückgebliebenheit oder Down-Syndrom erkennt ist es einfacher, das Kind speziell zu fördern. In Indien sind jedoch viele  Missverständnisse oder Irrtümer über Behinderungen im Umlauf. Vor allem natürlich in den niedrigen Schichten und bei den nicht gebildeten. Uns wurde beispielsweise erzählt, dass Menschen in kleinen Dörfern denken, dass wenn ein Mensch, der mental zurückgeblieben ist einen gesunden Menschen heiratet, die mentale Zurückgebliebenheit verschwindet und dieser Mensch wieder gesund ist. Obwohl ich in Deutschland in der Schule schon ziemlich viel über das Entstehen von Behinderungen, Gründe, Sonderpädagogik... usw. gehört habe, habe ich es hier in Indien nochmal aus einem ganz anderen Fokus kennengelernt. Ein kurzes Beispiel dazu, es ging Prävention. Wie man also die Wahrscheinlichkeit mindern kann, dass das Kind eine Behinderung hat. Auf der Liste standen z.B. keine Drogen, Tabak oder Alkohol während der Schwangerschaft. Aber ganz oben stand, dass man verheiraten in nahen Verwandtenkreisen vermeiden sollte. In Deutschland spricht man da nicht drüber, sondern es ist eigentlich klar. Doch hier ist das nochmal ganz anders. Aber Heiraten ist nochmal ein viel zu großes Thema für jetzt. Vielleicht später einmal.

Jetzt ist Wochenende. Heute waren wir mit 3 Inderinnen aus der Schule und unserem lieben Magicfahrer Kumar auf einem Tempel auf einem Berg in der Nähe von Madurai namens Achtung:  Thiruparankundram Temple. Unmöglich das auszusprechen. Es ist oke, wenn du einfach drüber liest. Würde ich auch machen ;)
 
 

 
 
 
Sport haben wir heute genug gemacht. Wie schon gesagt liegt der Tempel auf einem Berg und den mussten wir natürlich besteigen, mindestens 1000 Treppen waren das Berg auf + Steigung + Hitze. Wir haben uns gefreut Madurai wieder etwas mehr erkunden zu können und wir kommen immer wieder ins Staunen wie groß Madurai doch tatsächlich ist. Wir wohnen relativ im Zentrum und kommen normal nicht weiter als bis zur Schule, der Kirche oder drei vier Straßen um den YMCA herum. Ist eben doch eine Millionenstadt.
Das gehört auch noch alles zu Madurai, ein anderer Stadtteil.
 
Zurück zum Tempel auf dem Berg. Den Auf und Abstieg haben uns die Affen, die es dort überall gab etwas schwer gemacht. Ich würde sagen typisch Frau. Anfangs dachten wir, oh cool wir sehen Affen. Die sind ja soo süß. Kommen sie dir aber zu nahe, dann geht das Geschrei los. Auch die Inderinnen wollten keine Freundschaften mit den Affen schließen und schrien auch schon mal etwas lauter als wir. Zum Glück hatten wir einen Tapferen Ritter mit Holzstock dabei, unseren Magicfahrer Kumar, der uns vor den Affen beschützt hat. Allerdings gingen trotzdem 2 Wasserflaschen drauf und Hannas Chuditar und Tasche haben jetzt dank einer Affeninvasion jeweils ein Loch. Aber keine Angst, wir haben es alle überlebt. ;)
 
 
 
 
Auf dem Weg nach oben haben wir öfters mal eine Pause gemacht und die Aussicht genossen, war doch
ziemlich anstrengend die tausende Stufen hochzusteigen.

Ab und zu stellte sich dann auch noch  ein Affe in den Weg. Und die haben ganz schön lange Zähne sag ich euch.
Hier seht ihr unseren tapferen Ritter, wie er Mathilde vor dem Affen rettet. ;)

... hier gehörte die Wasserflasche noch uns....

...doch von dem einen auf den anderen Moment war sie in den Händen der Affen. Die haben das Wasser genossen.

Der Tempelwächter, er arbeitet auf dem Berg den ganzen Tag und geht abends dann wieder runter ins Dorf, das ist sozusagen sein Beruf. Ziemlich einsam irgendwie.

Auch bei dem Tempel gab es Affen, eigentlich überall. Wir hatten ziemlich Angst, dass sie unsere Schuhe klauen :D Das Affenbaby erinnert mich etwas an Dobby von Harry Potter, oder? :)

Auf dem Rückweg haben wir noch halt bei dem Haus von einem Jungen aus der Schule gemacht und ihn besucht. Er hat sich so riesig gefreut, dass wir ihn besuchen kommen und hat über beide Ohren gestrahlt. Richtig stolz stellte uns seinen Bruder vor, der sich wirklich richtig gut um ihn kümmert während die Eltern arbeiten waren. Das Haus bestand einfach nur aus einem Raum. In dem ein Metallbett stand und es gab einen kleinen Herd. Irgendwie komisch wenn man sich vorstellt, dass dort 4 Menschen wohnen. Menschen wie du und ich. Menschen, die sich über Dinge freuen, die für uns normal sind. Wir schenkten ihm eine Packung Kekse und er war so überglücklich. Dieses Leuchten in seinem Augen und diese Freude, das hat mich glücklich gemacht und die kleine Hütte schien etwas heller.

Wer übrigens nicht weiß was er machen soll oder mir ne Freude machen will, ich freu mich immer über Post. Meine Adresse findet ihr unter Kontakt J

Lasst mal was von euch hören! J
 
It will rain - Bruno Mars

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